Über Tattoos und ihre Preisschilder

Tattoos kosten Geld! 4 Minutes

„Hallo, ich wollte mal fragen, was bei euch ein Tattoo kostet? Lg“ Ende der Nachricht.Diese Frage ist so ziemlich DIE Frage aller Fragen. Plump, direkt, ohne viel Nachdenken, aber mit lieben Grüßen. So wie ichs mag.
Tja, was kostet ein Tattoo?

Eigentlich bin ich ja immer sehr nett, zuckersüß und außerordentlich freundlich zu meinen lieben Kunden. Muss ich ja auch… nein, ich will es ja auch. Schließlich möchte ich, dass sie das nächste Mal wieder zu mir kommen und ein gutes Gefühl bei mir haben. Außerdem darf ich ihnen teils höllische Schmerzen zufügen, und im Austausch geben sie mir sogar Geld für diese freiwillige Folter, win-win in allen Hinsichten also. Außerdem bin ich generell unheimlich professionell und super bei allem, was ich tue, also beantworte ich Nachrichten selbstverständlich auch mit höchster Professionalität… nach drei Wochen. Super, wie ich schon sagte. 
Aber manchmal hat man auch einfach nur das Bedürfnis, absolut blöde, verarschende und passiv agressive Idioten-Antworten zu geben. Am liebsten in der Stimme von Patrick Star oder Doofy Gilmore. Ihr kennt das, jeder kennt das und jeder muss sich den Spaß immer und immer wieder verkneifen. Olle Professionalität.

Also: Was kostet denn nun ein Tattoo? 

„Gut, dass du fragst! Heute gibts alle Tattoos für den halben Preis, wir haben nämlich Sommer-Sale für alle Unendlichschleifen, Namen des Freundes und generell alle Trend-Tattoos, die ich dir in zwei Jahren wieder covern darf!“
„Ein Tattoo kostet bei uns eine Million Euro. Lg“
„Da muss ich mal kurz ins Lager schauen… Ah tut mir leid, wir sind ausverkauft! Aber am Mittwoch bekommen wir wieder neue Tattoos rein!“
„Tja, ich weiß nicht, aber du bist doch Friseurin. Was kostet denn bei euch eine neue Frisur?!“

Was kostet ein Tattoo… Ist ein Tattoo ein Gegenstand, auf dem ein Preisschild draufgeklebt ist? Wie die kleinen ovalen Sticker bei den Tafeläpfeln, die man dann aus Versehen mit isst, weil sie farblich meistens nur so halb von der Apfelschale zu unterscheiden sind. Was für ein Supermarkt-Denken. Als wolle man wissen, wieviel das Pfund Hackfleisch kostet.
Nein, tatsächlich ist ein Tattoo kein Konsumgegenstand. Für uns Tätowierer ist jedes Tattoo ein Kunstwerk. Deshalb heißt es auch Tattoo-KÜNSTLER. Wir machen Kunst auf Haut. Auch wenn man es nicht glauben mag, aber ein Tattoo ist, zumindest bei mir, sehr individuell und persönlich. Und, gibt es genau festgelegte Preise für individuelle und personifizierte Dinge? Eher selten. Aha! 
Das Beispiel mit der neuen Frisur gefällt mir sehr. Woher soll man wissen, welche Haarfarbe? Welcher Haarschnitt? Soll ich föhnen oder machste alleine?
Ähnlich ist es bei uns. Okay, bis auf das alleine machen.
Was für ein Tattoo möchtest du denn haben? Wie groß soll es werden? Wo soll es hin? Willst du es farbig haben oder schwarz-grau? 
Fragen über Fragen, die gestellt werden müssen, um einen groben Preisrahmen nennen zu können. Im Kopf innerhalb von zwei Minuten ein passendes Motiv ausdenken, wie es am Ende aussehen könnte, überschlagen, wie lange ich dafür ungefähr brauche, mit einberechnen, dass die Haut vielleicht nicht so will wie ich es gern hätte, und und und. Erst dann und wirklich erst dann kann man sagen, was das Tattoo so circa kosten wird. Es kann auch sein, dass sich der Kunde bis zum Termin nochmal umentscheidet, was er denn haben will. Im besten Fall etwas viel Ausladenderes als das, was eigentlich geplant war. Etwas, das fünf statt zwei Sitzungen dauern wird. Weiß man nicht.
Lustig wird es, wenn der Kunde dann davon ausgeht, dass es selbstverständlich bei dem „alten“ Preis bleibt. Denn, der steht ja so auf dem Terminkärtchen. Dann folgen hochgezogene Augenbrauen, ein Stirnrunzeln und offene Münder, wenn man ihnen sagt, dass ein größeres oder aufwendigeres Motiv als das, welches ausgemacht war, natürlich auch teurer wird. Ein Kilo Tomaten kostet ja auch mehr als ein halbes, um auf das Supermarkt-Denken zurückzukommen. 
Manchmal sind die Leute aber auch geschickt, was das Mogeln oder zumindest das Versuchen dessen angeht, das muss man sagen. Wenn sie es dann doch farbig haben wollen, nachdem man es in schwarz-grau fertig gestochen hat, zum Beispiel. Gern mit dem ablenkenden Satz: Ach, na wenn man schon dabei ist, kann man ja…
Ja, klar kann man. Kostet dann aber extra. 
Oh achso? Na dann erstmal nicht. 
Und wenn ich beim Nachstechen dann noch Farbe drin haben will? Nachstechen kostet ja nichts bei euch, richtig? 
Ja, dann können wir das Tattoo kostenlos nachstechen, und die neue Farbe kostet dann extra. 
Oh, achso, na gut…
Und während ich am Stechen bin, kommt die Frage: Mir fällt gerade ein, kann man da vielleicht noch eine kleine Taschenuhr reinmachen, mit ner passenden Uhrzeit und nem Namen in Schnörkelschrift drunter? Auch ganz klein, muss nicht so auffallen, aber das würd ich noch gern im Motiv mit drin haben, so irgendwo versteckt, wenn das geht. Also echt nur so ganz klein!
Klar, auch das geht, kostet aber auch wieder extra. Auch, wenns nur ganz klein ist!
Echt? 
Ha Ha! Nee, reingelegt! Ich arbeite doch gern für umsonst. Nicht. 
Zum Glück kommt sowas selten vor. Zum Glück wissen immer mehr Tattoo-Fans, dass eine gute Arbeit nunmal sein Geld kostet, so wie das auch in anderen Branchen der Fall ist. Und am Ende will man nicht mit einer vermurksten Billig-Gurke herumrennen, die man täglich mehr bereut, sondern schon eher auf der Straße gesagt bekommen, dass sein Tattoo ja absolut hammer aussieht. Denke ich jedenfalls. 

Ich möchte wirklich mal gern einfach mit „Hallo! Ein Tattoo kostet bei uns eine Million Euro. Lg“ auf die Frage, was ein Tattoo kostet, antworten. Einfach der Reaktionen wegen. 

„Soll das ein Scherz sein oder so?“
„Was?! Ihr spinnt ja wohl, dann geh ich woanders hin, Abzocker!“
„Danke für die Antwort, dann weiß ich bescheid ? Ich würde morgen gern mal zur Beratung vorbeikommen, wie hoch ist die Anzahlung? 20.000? Und wo kann ich meinen Bentley bei euch parken?“
„Alles klar, dacht ich mir schon so ungefähr, dann muss ich aber noch ein bisschen sparen.“

Sicherlich werden die ersten beiden Antworten überwiegen und meine Abonnentenzahlen sowie meine Wartezeit für Termine rapide in den Keller fallen. Wer weiß, vielleicht spricht es sich auch in der High Society rum und ich werde zur Tätowiererin der Schnösel, Bonzenkinder und Präsidenten. 
Ach, wenn ich so drüber nachdenke, fände ich doch beides recht uncool, ich lass es lieber. 

 

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